Coburg ohne Convent!
Der Pfingstkongreß des Coburger Convents ist untragbar. Wieso das so ist, erklären wir euch anhand von vier Punkten.
1. Männerbünde
Studentenverbindungen sind durch strenge Hierarchien, Sauf-Zwang und erniedrigende Aufnahmerituale geprägt. Schwäche, Gefühle oder Verletzlichkeit zu zeigen, sind verpöhnt, vor allem in pflichtschlagenden Korporationen hat jeder "seinen Mann zu stehen". Dieses toxische Verhalten steht zu einer modernen und offen Gesellschaft in klarem Widerspruch. Diese Kultur trägt dazu bei, dass Männergruppen zu übergriffigem Verhalten im öffentlichen Raum tendieren – seien es Fussballfans im Regionalzug oder Verbindungsstudenten am Cobuger Marktplatz. Jede Frau oder queere Person weiß, wie unangenehm und verängstigend das sein kann.
2. Sexismus und Frauenfeindlichkeit
Männerbunde grenzen Frauen bewusst aus und werten sie ab. Manche "Burschen" bezeichnen ihre Partnerinnen gern als "F**zen" wenn vermeintlich niemand hinsieht – außer andere Männer (1). Frauen sind immer schwach und nie einem Mann gleichwertig. Im Coburger Convent sind sie bestenfalls "schmückendes Beiwerk". Wir als Die Linke stehen für Gleichberechtigung der Geschlechter und die Loslösung aller Menschen von patriarchalen Strukturen und Zwängen.
3. Elitedünkel, Machtmissbrauch und Intrigen
Studentenverbindungen sind kein Sportverein, in dem Geschlechtertrennung vergleichsweise harmlos und vernünftig ist. Indem man Frauen und Personen aus den unteren sozialen Klassen bewusst ausschließt, bildet sich die angestrebte Elite. Diese Eliten, die nach dem Studium als Richter, Staatsanwälte, Politiker oder in der "freien Wirtschaft" ihre Seilschaften pflegen, bilden geschlossene Kreise und üben so ihre Macht aus. Dass so etwas defacto jeglichem demokratischen Grundverständnis von Chancengleichheit für Alle zuwiderläuft ist offensichtlich. Spätestens seit dem Erstarken der AfD ist wieder deutlich, wie wichtig studentische Verbindungen auch heute für reaktionäre Politik sind. Dass sich auch im CC AfD-Kader, deren politisches Vorfeld und ein rechtsradikaler Bodensatz die Hand reichen ist wenig überraschend.
Dass man Fahndungsplakate für missliebige Journalist*innen erstellt und in Unterkünften der Verbindungsstudenten in der Stadt aushängen lässt (2), einem Coburger Grünen-Stadtrat eine Falle stellen will (3), um ihn politisch zu zerstören, Täterschutz betreibt wenn ein amtierender Richter den Hitlergruß zeigt (4), an Schulgebäude kotzt (5) oder den Oberbürgermeister als "Regenwurm" bezeichnet (6) – das alles sind klare Beispiele wie toxisch diese Männerbünde sind und wie sicher sich die selbsternannte Elite fühlen kann.
4. Überkommene Traditionen und Geschichtsvergessenheit
Ein Totengedenken zu Ehren der gefallenen Soldaten beider Weltkriege – also auch der Nazitäter – und ein Fackelmarsch ganz im Stil der Faschisten sind jährliche, traurige Höhepunkte des Pfingstwochenendes in Coburg. Strammstehen am Kriegerdenkmal in den Arkaden am Schlossplatz oder Teile der historischen Marschroute der SA abzumarschieren, sind Tradition. Und Tradition soll man pflegen und nicht in Frage stellen. Gleiches gilt für die Mensur, das "studentischen Fechten", welches den Mann erst zum Mann macht. Potenziell schwere Verletzungen an Kopf und Gesicht sind Kern des Rituals (7) und festigen den "Lebensbund" mit der Verbindung auf besondere Weise. Jeder Student im CC muss mindestens zwei Mensuren fechten und dabei seinen Kopf für die Verbindung hinhalten.
Wir als Die Linke finden Mensuren gehören abgeschafft, ebenso der Fackelmarsch, dessen Abschluss jedes Jahr an eine Bücherverbrennung erinnert.
Wir fragen uns: Wieso wird der CC trotzdem in der Stadt willkommen geheißen?
Was wir tun können:
Kommt zur Kundgebung am Pfingstmontag ab 21:30 Uhr am Spitaltor! Setzt gemeinsam mit uns ein lautstarkes Zeichen, dass Geschichtsrevisionismus und Männerbünde keinen Platz in dieser Stadt haben!
Damit die Freund*innen und Genoss*innen in Coburg nicht allein gegen sexistische und veraltete Strukturen demonstrieren müssen, haben stabile Genoss*innen einen Bus von Erlangen über Bamberg nach Coburg und wieder zurück organisiert. Der Fackelmarsch findet abends statt und die Gegendemo startet um 17:00 Uhr. Nach Ende der Kundgebungen gegen den Fakelmarsch fahren keine Züge mehr, daher wurde der Bus organisiert.
Der Treffpunkt in Erlangen ist am Montag den 25.05. um 14:15 am Busbahnhof in Erlangen bzw. um 15:00 Uhr am Parkplatz "Am Volkspark" (Pödeldorfer Str. 179) in Bamberg. So kann man schon um 17:00 Uhr bei der großen Demo von "Studentische Verbindungen auflösen" dabei sein. Gegen 1:00 Uhr ist der Bus wieder in Bamberg bzw. 1:30 in Erlangen. Die Spendenempfehlung für den Bus beträgt ab Erlangen 15-20€ ab Bamberg 10-15€. Bitte gebt uns eine ungefähre Zahl an Mitfahrenden zur Sicherheit, der Kontakt ist: Lukas.Eitel@die-linke-bayern.de
Quellen:
1. https://tinyurl.com/cc-frauenfeindlichkeit (Seite 35)
2. https://www.nn.de/region/coburger-convent-fahndungsplakate-gegen-kritische-presse-1.13273889
3. https://taz.de/Schlagende-Verbindungen/!5934914/
6. https://tinyurl.com/cc-regenwurm (Seite 142) und https://www.np-coburg.de/inhalt.coburger-convent-so-viele-gegendemos-wie-noch-nie-geplant.fe94921b-630e-4056-a13e-cef997df36d6.html
