Pressemitteilung: Rund 450 Menschen setzen in Coburg deutliches Zeichen gegen Sozialabbau
Bündnis „Es reicht“ zieht positive Bilanz. Der Widerstand gegen Kürzungen der Bundesregierung ist auch in Coburg groß.
Mit einer deutlich höheren Beteiligung als erwartet hat das Bündnis „Es reicht“ am Samstag in Coburg gegen die geplanten Kürzungen im Sozialstaat protestiert.
Trotz Temperaturen von über 30 Grad beteiligten sich rund 450 Menschen an Demonstrationszug und Kundgebung – mehr als doppelt so viele wie die ursprünglich erwarteten 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Der Demonstrationszug führte vom Bahnhofsplatz über einen Zwischenstopp am CSU-Büro bis zum Coburger Marktplatz. Zahlreiche Rednerinnen und Redner machten deutlich, dass die geplanten Einschnitte in den Sozialstaat auf breiten gesellschaftlichen Widerstand stoßen.
Im ersten Redebeitrag schilderte Michael Saalbach (IG BAU) eindringlich, was alles auf dem Spiel steht, und kritisierte die Regierung und auch die SPD scharf:
„Eine Arbeiterpartei sollte auf unserer Seite stehen“.
Katharina Raab (Aktionsbündnis Psychotherapie e.V.) erläuterte, was die Reformen für die Psychotherapie bedeuten: Viele Patient*innen könnten schlicht nicht mehr versorgt werden, weil die Finanzierung fehle. Pascal Sesselmann (Verein Lebensträume e.V.) berichtete eindrücklich von den Schwierigkeiten, einen neuen Elektrorollstuhl bewilligt zu bekommen. Carolin Gartzlaff schildert die Situation von Alleinerziehenden. Sie rief die Menschen auf:
„Bleibt empört, schreibt euren Abgeordneten, geht ihnen auf die Nerven! Zeigt Solidarität mit den Schwächsten und nehmt das nicht hin!“
Julius Herpich stellte die steigenden Rüstungsausgaben den geplanten Einsparungen im Sozialbereich gegenüber. Am Marktplatz berichtete Birgit Eckel, Betriebsratsvorsitzende am Klinikum Coburg, von den Auswirkungen der GKV-Reform. Zum Abschluss sprach der Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen). Er betonte, dass auch von der Hitze in diesem Sommers ganz besonders die Armen betroffen sind und dass auch die Bekämpfung des Klimawandels eine soziale Frage ist.
Trotz unterschiedlicher Perspektiven verband alle Redebeiträge eine gemeinsame Botschaft: Die geplanten Kürzungen im Sozialstaat sind nicht hinnehmbar.
Das Bündnis zeigt sich freut über die große Resonanz: „Gerade angesichts der hochsommerlichen Temperaturen ist die Beteiligung ein starkes Signal. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft unseres Sozialstaats und wollen diese Entwicklung nicht widerspruchslos hinnehmen.“, sagt der Moderator Dirk Schneider von Verdi.
Die Bündnispartner betonen, dass der Widerstand gegen den Sozialabbau für alle Menschen wichtig ist.
„Wie so oft werden manche die Folgen früher und härter spüren als andere. Doch letztlich betreffen die angekündigten Reformen uns alle – unabhängig davon, ob wir mit oder ohne Behinderung leben, Kinder haben oder nicht, berufstätig, arbeitssuchend, krank, gesund oder bereits im Ruhestand sind.“ erklärt Dirk Schneider. „Wenn das Renteneintrittsalter weiter steigt, der Acht-Stunden-Tag aufgeweicht wird, Beschäftigte krank zur Arbeit gehen müssen, der Zugang zu Psychotherapie erschwert wird oder Alleinerziehende schlechter unterstützt werden, dann sind das keine Einzelprobleme. Es geht um den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“
Das Bündnis „Es reicht“, dem Gewerkschaften, soziale Initiativen, Vereine und Parteien angehören, kündigte an, auch künftig aktiv zu bleiben. Bereits jetzt unterstützt es die vom Deutschen Gewerkschaftsbund organisierte Großdemonstration am 26. September in Nürnberg. Für die Anreise aus Coburg werden von den Gewerkschaften kostenlose Busse organisiert.




