Pressemitteilung: Die Linke-Kreisverbände Coburg, Kronach und Lichtenfels bieten Beratung zur Kriegsdienstverweigerung an
Wir bieten ab sofort eine Beratung für Menschen an, die Fragen zur Kriegsdienstverweigerung haben oder einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen möchten.
Hintergrund ist der sogenannte Neue Wehrdienst. Seit Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen Post von der Bundeswehr. Für Männer ist die Beantwortung der Fragen zu ihrem gesundheitlichen Zustand verpflichtend, alle anderen müssen nicht antworten.
Viele junge Menschen fragen sich nun, welche Rechte sie haben und wie sie mit diesem Anschreiben umgehen sollen. Fragen, mit denen sie viel zu lange und viel zu oft allein gelassen werden.
Wer den Kriegsdienst verweigern möchte oder sich zunächst informieren will, kann einen persönlichen Beratungstermin mit ausgebildeten Berater*innen in Coburg, Kronach oder Lichtenfels vereinbaren. Die Beratung umfasst Informationen zum Verfahren ebenso wie Unterstützung bei der Formulierung eines Antrags auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Sie ist kostenfrei und vertraulich. Interessierte können sich per E-Mail an kontakt@die-linke-co.de oder per Instagram-Direktnachricht melden.
Für uns als die Linke ist dieses Angebot Ausdruck eines Grundrechts, das insbesondere in einer Zeit zunehmender Militarisierung besonders geschützt werden muss. Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes stellt klar: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“
Dieses Grundrecht darf nicht nur auf dem Papier bestehen. Junge Menschen müssen es kennen und die Möglichkeit haben, es tatsächlich wahrzunehmen.
„Gerade in Zeiten sicherheitspolitischer Spannungen ist es wichtig, dass junge Menschen ihre Rechte kennen. Wer aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe ablehnt, hat Anspruch auf Beratung und Unterstützung“, erklärt Daniel Föhl, Stadtrat in Lichtenfels und Berater für Kriegsdienstverweigerung.
Wir kritisieren die schrittweise Wiedereinführung der Wehrpflicht durch die Hintertür. Denn schon heute zeichnet sich ab, dass sich nicht genügend junge Menschen freiwillig für den Wehrdienst melden werden. Nach Informationen des ZDF konnten lediglich rund 0,18 Prozent der angeschriebenen Personen für den freiwilligen Wehrdienst gewonnen werden. Noch wird von Freiwilligkeit gesprochen. Wir bezweifeln, dass es dabei bleiben wird.
Junge Menschen erleben seit Jahren, dass immer mehr von ihnen verlangt wird, während gleichzeitig bei Bildung, Kultur, Jugendangeboten und Gesundheitsversorgung gekürzt wird. Einen wirklichen Ausgleich für die Belastungen der Corona-Pandemie hat es nie gegeben. Wer einen Therapieplatz sucht, wartet oft monatelang – nach den Plänen der Bundesregierung könnten die Wartezeiten künftig noch länger und die Therapieplätze noch knapper werden. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Statt wirksame Maßnahmen gegen die Wohnungsnot zu ergreifen, will die Bundesregierung sogar die Vergesellschaftung von Wohnraum ausschließen – obwohl sich beispielsweise die Berlinerinnen und Berliner in einem Volksentscheid mehrheitlich dafür ausgesprochen haben. Und gleichzeitig soll ausgerechnet diese Generation, der dieses Land so wenig zu geben bereit ist, im Ernstfall mit der Waffe für ein Land einstehen, das ihr an vielen Stellen immer weniger zurückgibt.
„Wer junge Menschen auffordert, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen, muss ihnen auch ein Land bieten, das Verantwortung für sie übernimmt“, erklärt Joachim Hoppe, Stadtrat in Coburg. „Wir erleben derzeit Kürzungen im sozialen Bereich, während für Aufrüstung immer neue Milliarden bereitgestellt werden. Diese politische Schwerpunktsetzung halten wir für falsch. Wer Frieden sichern will, muss auch in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und eine solidarische Gesellschaft investieren.“
Die Linken-Kreisverbände Coburg, Kronach und Lichtenfels sind überzeugt: Sicherheit entsteht nicht allein durch militärische Stärke. Sicherheit entsteht auch durch soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Zukunftsperspektiven.
Wir wollen nicht, dass die Jugend unserer Länder gegeneinander kämpft. Wir wollen, dass sie gemeinsam für eine bessere Zukunft streitet.
Deshalb verteidigen wir das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung, weil wir von der Möglichkeit einer anderen Zukunft überzeugt sind. Darum bieten wir Beratung und Unterstützung für alle an, die sich über die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung informieren oder ein entsprechendes Verfahren anstoßen möchten.

