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2. Februar 2011

Standpunkt zu den Vorkommnisse in Bundeswehr bzw. Marine „Gorch Fock“ (K. Dimler)

Segelschulschiff W. Pieck, 1966

Standpunkt zu den Vorkommnisse in Bundeswehr bzw. Marine „Gorch Fock“

Um es vorweg zu nehmen. In diese Debatte sollten sich nur Leute einschalten, die vom Thema etwas verstehen.

Es geht mir auch nicht um unsere klaren Haltung in Bezug auf Heer, Luftwaffe, Marine und zu Kriegseinsätzen. Keines von den vielen Ländern in denen wir mittlerweile militärisch präsent sind, hat uns den Krieg erklärt. Wenn es um den internationalen Terrorismus geht, muss erst einmal hinterfragt werden, wer und wie dieses Phänomen in Gang gesetzt hat. Was steckt wirklich dahinter, dass wir nach 65 Jahren wieder Krieg führen.

Nur Beschlüsse der UNO sind meines Erachtens gerechtfertigt, mit Militärpräsenz Gewalt zu verhindern und Frieden zu sichern. Selbst in diesen Fällen ist der Erfolg oftmals fragwürdig. Auch die derzeitig Mission einer ganzen Flotte von internationalen Kriegsschiffen um die Route zum Horn von Afrika wäre zu begrüßen, wenn sie zum Erfolg führen würde.


Doch kürzlich ist erneut ein deutsches Handelsschiff gekapert worden und die Zig- Millionen Lösegeld werden fließen.

Nun bin ich bei dem Thema angelangt, wo ich als ehemaliger Seekadett, Bootsmann der DSR und ehemaliger Kampfschwimmer mitreden muss. Bevor ich zum Thema „Gorch Fock“ komme, noch ein Bemerkung zur sogenannten „Piratenbekämpfung“.

Auch wir sind in der Zeit des Vietnam-Krieges 1972/73 in der Sundastrasse / Javasee von Piraten angegriffen worden. Dort ist jedoch das Gebiet überschaubar. Heute operieren die Piraten mit „Nussschalen“ zig Tagesreisen entfernt von der Küste. Sie müssen von Großschiffen abgesetzt sein. Woher haben sie mit ihren seemännischen Mitteln die genaue Position und den Zeitpunkt der Schiffe? In wessen Auftrag handeln sie?

Und eine ganze navigatorisch  hochgerüstete Armada kann dem Treiben kein Ende machen. Auch hinter den Debatten um die „Gorch Fock“ stecken andere Gründe als die „Medienknaller“. Der Unfall der Seekadetin ist für die Eltern sicherlich tragisch.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet, bei Sturm in den Großmast zu entern, bei 40 Grad Krängung an der Rah sich in den „Pferden“ zu halten, um das Segel zu bergen. Später als Bootsmann auf einem Handelsschiff im Orkan alles zu tun, um Schiffsladung und Mannschaft im Griff zu haben. Eine uralte Seemannsregel sagt: „Eine Hand für´s Schiff, eine Hand für mich.“

Um erstklassige Seeoffiziere auszubilden, bedarf es nach wie vor Segelschulschiffe. Nur hier kann man mit außergewöhnlicher Härte und Disziplin den Weg zu einem guten Seeoffizier, ob Handels oder Kriegsschiff gehen. Nur hier lernt man den Kompromiss zwischen Naturgewalten und Mensch zu verstehen. Auf Schiffen herrschen andere Gesetze als an Land, geschriebene oder ungeschriebene. Wer sich dem nicht beugen will und den Befehl verweigert, gehört da nicht hin, sollte nie ein Kommando auf einem Schiff bekommen.

Sollte der Kapitän der „Gorch Fock“ den Meuterer und dem Schiff geopfert werden, wird ein trauriges Kapitel deutscher Seefahrt eingeleitet.

Klaus Dimler